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Studie: Turbo für Wirtschaft und Beschäftigung durch Produktion grüner Technologien in der EU

Analyse Erneuerbare Energie Wirtschaft Technologien EU Industrie
Samstag, 22.06.2024
Technologien zur Produktion, Speicherung und Nutzung erneuerbarer Energien sind entscheidend für die Ökologisierung der Wirtschaft. Europa steht bei der Entwicklung dieser Sektoren jedoch noch am Anfang. Für die nächste EU-Kommission bedeutet das eine große Chance: Die Stärkung einer europäischen Produktion grüner Technologien würde sich enorm positiv auf Wirtschaft und Arbeitsplätze auswirken. Allein die Produktionsverlagerung von fünf Schlüsseltechnologien in die EU lässt die Wirtschaftsleistung um rund 18,4 Milliarden Euro steigen und schafft 243.000 Arbeitsplätze. Das zeigt eine neue Studie des Wiener Instituts für internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw) im Auftrag von KONTEXT.

Die Studie des wiiw zeigt: Würde die EU die Fertigung von fünf Schlüsseltechnologien – Elektroautos, Photovoltaik, Windkraftanlagen, Batterien und elektrische Motoren – selbst übernehmen, hätte das enorm positive Effekt für Wirtschaftsleistung gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) und Arbeitsmarkt. Die Ergebnisse im Detail:

Produktion grüner Technologien steigert Wirtschaftsleistung

Bei einer Produktionsverlagerung würde das BIP der EU um rund 18,4 Milliarden Euro steigen. Die Technologie mit dem stärksten Beitrag zum BIP-Wachstum ist die Produktion von Elektroautos (8,8 Milliarden Euro), gefolgt von Photovoltaik (4,7 Milliarden Euro), und Batterien (2,6 Milliarden Euro). Der Gesamteffekt einer Produktionsverlagerung hat sich im Vergleich zu den letzten 10 Jahren etwa verdoppelt. Mit dem voranschreitenden Ausbau zukunftsfähiger Technologien wird die Wertschöpfung deshalb voraussichtlich weiter zunehmen.

  • Österreich würde durch die Produktionsverlagerung zurzeit einen Wertschöpfungszuwachs von 560 Millionen Euro erzielen. Im EU-Vergleich liegt das Potenzial für Österreich auf Platz 7.
  • Länder, die bereits Endprodukte wie Autos herstellen, profitieren besonders von der Verlagerung der EU-Importe, da die notwendige Infrastruktur bereits besteht. Der größte Teil des Wachstums entfällt daher auf Länder in Ost- und Zentraleuropa wie Tschechien und Slowenien sowie andere industriebasierte Volkswirtschaften, insbesondere Deutschland.

Produktion grüner Technologien schafft Arbeitsplätze

Auch auf die Beschäftigung hätte die die Produktionsverlagerung der fünf Schlüsseltechnologien einen signifikant positiven Effekt: 243.000 Arbeitsplätze würden neu entstehen. Auch hier hat sich das Potenzial in den letzten 10 Jahren etwa verdoppelt.

  • In Österreich würde die Produktionsverlagerung grob 5.100 neue Arbeitsplätze schaffen, vor allem durch die Produktion von Elektroautos und Photovoltaikanlagen.
  • Besonders starke positive Beschäftigungseffekte verzeichnen, ähnlich wie bei der Wertschöpfung, ost- und mitteleuropäische Lände. In absoluten Zahlen ergäbe sich der stärkste Effekt in Deutschland, mit rund 70.000 neuen Jobs, was einem Drittel aller neuen Arbeitsplätze entspricht.

Positive Effekte auch für angrenzende Sektoren

Neben den direkten Effekten auf die Produktionsstätten wirkt sich die Produktionsverlagerung auch auf die Wertschöpfungsketten aus. Ein Ausbau der Produktion von Elektroautos, zum Beispiel, steigert auch die Nachfrage von Komponenten, wie Batterien, und Dienstleistungen, wie Softwareentwicklung und Vertrieb. Das führt in der Zulieferindustrie und den Absatzmärkten zu einer signifikanten Expansion, und hat auch Auswirkungen auf angrenzende Sektoren.

Tatsächliches Potenzial voraussichtlich deutlich größer

Die in der Studie des wiiw berechneten Effekte auf Wertschöpfung und Beschäftigung bilden nur einen Bruchteil des tatsächlichen Potenzials ab.

  • Erstens stehen die Ökologisierung und der Ausbau zukunftsfähiger Technologien noch in der Entwicklungsphase. Die Szenarien der Internationalen Energieagentur rechnet mit einem starken Ausbau der Schlüsseltechnologien, welcher den von wiiw prognostizierten Effekt entsprechend verstärken würde.
  • Zweitens berücksichtigt die Analyse zum Teil nur Endprodukte oder wenige zugehörige Komponenten. Bei einer Verlagerung der gesamten Produktionskette würden die positiven Effekte auf das BIP und die Arbeitsplätze weiter zunehmen.
  • Drittens würden durch eine detailliertere Analyse der Zulieferer, der Absatzmärkte und der angrenzenden Industrien umfassendere positive Netzwerkeffekte sichtbar, die sowohl Beschäftigung als auch Wirtschaftsleistung weiter erhöhen würden. Gleiches gilt für die Betrachtung zusätzlicher Schlüsseltechnologien (z.B. Wärmepumpen uvm.).

Die Analyse zeigt jedoch deutlich, dass selbst bei einer Beschränkung auf wenige Schlüsseltechnologien bereits signifikante positive wirtschaftliche und beschäftigungsbezogene Effekte nachweisbar sind. Die Ökologisierung bietet somit eine große Chance für Wirtschaft und Arbeitsmarkt.

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