Risiken für Österreichs Schlüsselsektoren
Physische Risiken
Hitzewellen unterbrechen Produktionen und belasten Beschäftigte. Extremwetterereignisse beschädigen Infrastruktur und gefährden globale Lieferketten von Unternehmen. In der Landwirtschaft verursachten Frost, Dürre, Hagel und Überflutungen allein 2024 Schäden von 260 Millionen Euro. Schwindende Schneedecken verkürzen Wintersaisonen. Mangelnder Niederschlag reduzierte die Stromproduktion aus Wasserkraft an der Donau 2025 um rund 20 Prozent.
Trägheitsrisiken
Zu spät oder gar nicht zu handeln, wird immer teurer und gefährdet die Geschäftsmodelle von morgen. Fossile Preisschocks, verändertes Konsumverhalten, EU-Gesetzgebungen, CO2-Bepreisung, Lieferkettenrisiken und wachsender Druck durch Kapitalmärkte – all das führt dazu, dass sich Märkte verschieben und fossile Technologien zunehmend unrentabel werden. Das zeigt sich beispielsweise im Bereich der E-Mobilität: Im ersten Quartal 2026 lag der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge bei 22,5 Prozent aller Neuzulassungen in Österreich – ein Rekordwert. Unternehmen, die sich nicht anpassen, riskieren, den Zugang zu Kapital, Talenten und Absatzmärkten der Zukunft dauerhaft zu verlieren.
Chancen für Österreichs Schlüsselsektoren
Die Ökologisierung bietet auf der anderen Seite substanzielle Chancen. Die Elektrifizierung der Mobilität schafft etwa neue Märkte für Ladeinfrastruktur, Batteriesicherheit und Fahrzeugsoftware – Bereiche, in denen Österreichs IT- und Industrieunternehmen stark positioniert sind. Der steigende Strombedarf einer elektrifizierten Wirtschaft öffnet für die Energiebranche strukturell wachsende Absatzmärkte. Veränderte Konsummuster stärken in der Landwirtschaft pflanzliche, regionale und biologische Produktsegmente. Und im Tourismus bieten Nachhaltigkeit, Diversifikation und neue Zielgruppen echte Wachstumspfade jenseits der schneeabhängigen Angebote.
Drei Prinzipien für eine gelingende Ökologisierung
Um diese Chancen zu nutzen, sind Unternehmen und Politik gleichermaßen gefordert. Unternehmen müssen langfristig und strategisch agieren. Interessenvertretungen können Transformationsprozesse beschleunigen, indem sie sinnvolle Rahmenbedingungen für zukünftige Geschäftsmodelle einfordern. Die Politik muss Klarheit über die Ökologisierung schaffen. Drei Schlüsselprinzipien sind dafür entscheidend:
- Zielklarheit schafft Investitionssicherheit, die Unternehmen für langfristige Transformationsentscheidungen benötigen. Beim Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz ist das gelungen, das Ziel der Klimaneutralität 2040 ist jedoch weiterhin nicht gesetzlich verankert.
- Technologieklarheit lenkt Ressourcen in jene Lösungen, die tatsächlich skalierbar und sowohl ökonomisch als auch ökologisch effizient sind. Bei der Elektrifizierung von Landmaschinen gelingt das bisher besser als bei der Dekarbonisierung des Straßenverkehrs.
- Preisklarheit macht notwendige Investitionsentscheidungen finanziell darstellbar, indem Klimakosten eingepreist und Wettbewerbsverzerrungen abgebaut werden. Die Normalverbrauchsabgabe (NoVA) wirkt in diesem Zusammenhang positiv, die Kerosinsteuerbefreiung und der Agrardiesel kontraproduktiv.
Zudem muss die Politik ressortübergreifend agieren und zukunftsfähige Infrastruktur (Stromnetze, Ladeinfrastruktur, öffentlicher Verkehr etc.) ausbauen, um die Chancen konsequent nutzen zu können.
Fazit
Österreich hat eine starke industrielle Basis, eine hohe Innovationsdichte, regional verankerte Landwirtschaft und etablierte Tourismusstrukturen. Es braucht Mut zu klaren Entscheidungen, um Österreichs starke Ausgangsbedingungen zu nutzen und die Chancen zu realisieren. Notwendig dafür sind ambitionierte und verbindliche Ziele, konsequente Priorisierung effizienter Technologien und eine Preispolitik, die tatsächliche Kosten widerspiegelt. Wird die Ökologisierung verschleppt, trägt Österreich wirtschaftliche und gesellschaftliche Kosten. Wenn Politik, Unternehmen und Gesellschaft sie als Chance begreifen und gemeinsam gestalten, kann der Standort langfristig profitieren.
Der Chancenreport stützt sich auf drei methodische Säulen: eine umfassende Literaturrecherche, qualitative Roundtables und Interviews mit Branchenvertreter:innen sowie eine quantitative Online-Umfrage, die an Unternehmen aus den vier Sektoren erging.