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Studie: Kritische Rohstoffe – von Abhängigkeit zu Sicherheit

Studie Kreislaufwirtschaft Sicherheit EU Wirtschaft
Dienstag, 12.05.2026
Die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen birgt Risiken für die Versorgungssicherheit in Europa und die heimische Wirtschaft. Kreislaufwirtschaft bietet die wirksamsten Maßnahmen gegen diese Verwundbarkeit.

Europa und Österreich sind wirtschaftlich und geopolitisch abhängig von kritischen Rohstoffen. Das ist ein wachsendes Sicherheitsrisiko. Engpässe in den Lieferketten gefährden die Versorgung und damit die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft. Das ergibt eine Analyse des KONTEXT Instituts und des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII). Den besten Weg, um uns aus dieser Abhängigkeit zu befreien, politisch nicht erpressbar zu werden und unsere Wettbewerbsfähigkeit abzusichern, bieten Maßnahmen der Kreislaufwirtschaft.

Die wichtigsten Ergebnisse 

Lieferkettenrisiko

Die Versorgung in der Europäischen Union ist bei 12 von 17 strategischen Rohstoffen gefährdet bis stark gefährdet. Bei acht von 17 strategischen Rohstoffen gilt die Versorgung als stark gefährdet. Dazu zählen Lithium (für Batterien), Seltene Erden (für Permanentmagnete in Motoren, Windturbinen, Elektronik) und Magnesium (für Autos, Verpackungen, Bau).

Abhängigkeit von China

Bei knapp der Hälfte der Rohstoffe (8 von 17) ist China für Österreich der wichtigste Lieferant und damit das Land mit der höchsten Abhängigkeit. 

Exportwirtschaft direkt betroffen

Österreichs Exportwirtschaft ist davon direkt betroffen: Mehr als die Hälfte von Österreichs Jahresexporten (97 Milliarden Euro) benötigen kritische Rohstoffe. Besonders exponiert sind die Automobil-, Stahl- und Maschinenbauindustrie, die gemeinsam rund 24 Milliarden Euro an Produkten exportieren, in denen die Lieferketten stark gefährdet sind. 

Abhängigkeiten reduzieren

Um die Abhängigkeit bei kritischen Rohstoffen zu reduzieren, setzte die EU bisher Rahmenbedingungen, um Importländer zu diversifizieren, den Eigenabbau zu fördern und das Recycling kritischer Rohstoffe zu steigern. Die Diversifizierung scheitert aber bei vielen Rohstoffen an mangelnden alternativen Lieferquellen. Der Eigenabbau ist oft politisch unerwünscht und löst das Problem nicht, solange nachgelagerte Verarbeitungsschritte weiterhin außerhalb Europas stattfinden. Auch Recycling ist derzeit begrenzt: Neun der 17 strategischen Rohstoffen werden bisher kaum recycelt. Zudem schränken die fehlenden Verarbeitungskapazitäten die Wirksamkeit des Recyclings in der EU ein.  

Notwendig ist daher ein Mix an politischen Maßnahmen, die über die Angebotsseite hinausgehen und alle Hebel der Kreislaufwirtschaft nutzen. Die Analyse identifiziert fünf zentrale Strategien mit sehr hohem Potenzial: 

  1. Reduktion des Rohstoffbedarfs durch Entkopplung, ohne die Bedarfsdeckung oder wirtschaftliche Dynamik zu schmälern (z. B. durch Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel, Carsharing, Sanierung oder Energieeffizienzmaßnahmen),
  2. Steigerung der Materialeffizienz bzw. Ersatz mit zirkulären Materialien. Potential gibt es z. B. durch Leichtbau und Miniaturisierung in der stark betroffenen Automobil- und Stahlindustrie oder verbindliche und marktgerechte Ökodesign-Standards in kritischen Produktgruppen,
  3. Erhöhung der Produktlanglebigkeit. Potential gibt es z. B. durch „Recht auf Reparatur“ wo technisch machbar und ökonomisch sinnvoll, modulare und standardisierte Bauweisen oder Leihmodelle,
  4. Wiederverwendung von Produkten und Komponenten (z. B. Zweitnutzung von Batterien elektrischer Fahrzeuge oder modulare Stahlkonstruktionen)
  5. Ausbau des Recyclings (z. B.  Elektronikschrott, Bauabfälle, seltene Erden aus Permanentmagneten)

Politische Maßnahmen notwendig, um Potenzial zu heben

Kreislaufwirtschaft muss in den besonders betroffenen Sektoren und in der Gesamtwirtschaft gestärkt werden. Essenziell sind neben dem Ausbau von Recyclingkapazitäten auch einheitliche Produktstandards für Materialeffizienz und Zirkularität und entsprechende Kriterien in der öffentlichen Beschaffung, die Umsetzung der EU-Energieeffizienzrichtlinie und die Förderung von Reparaturen. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, braucht es also einen Paradigmenwechsel auf politischer Ebene.

Fazit

Die Versorgungssicherheit bei kritischen Rohstoffen ist für Europa und Österreich nur erreichbar, wenn wir alle Hebel der Kreislaufwirtschaft nutzen: Von der Reduktion der Nachfrage über Materialeffizienz und Langlebigkeit bis hin zu Wiederverwendung und Recycling. Mit den richtigen Maßnahmen können wir unsere Wettbewerbsfähigkeit, die Ökologisierung und digitale Souveränität in einer instabilen geopolitischen Lage absichern.

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