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Kreislaufwirtschaft – unsere Studien auf einen Blick

Studie Kreislaufwirtschaft Sicherheit EU Wirtschaft Technologien Industrie Unternehmen
Donnerstag, 21.05.2026
In drei aktuellen Studien zeigt das KONTEXT Institut das transformative Potenzial der Kreislaufwirtschaft – für wirtschaftliche Modernisierung, Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit.

Europa steht vor enormen geopolitischen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen. Angesichts steigender Rohstoffpreise, der wachsenden Nachfrage nach kohlenstoffarmen Produkten und zunehmender Risiken in den Lieferketten gewinnt die Kreislaufwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Zwar wurden erste Schritte in ihre Richtung unternommen, doch ihr volles Potenzial ist noch ungenutzt.

In drei aktuellen Studien zeigt das KONTEXT Institut das transformative Potenzial der Kreislaufwirtschaft – für wirtschaftliche Modernisierung, Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit. Um diese Chancen zu nutzen, sind geeignete politische Rahmenbedingungen erforderlich. Auf Basis der drei Studien hat KONTEXT jeweils unter Einbezug von Expert:innen die wirksamsten Maßnahmen ermittelt. 

1) Industrielle Modernisierung durch Kreislaufwirtschaft

Am Beispiel der ressourcen- und energieintensiven Sektoren Bau und Metall zeigt die Studie, dass Kreislaufwirtschaft maßgeblich zur Modernisierung der Industrie beitragen kann. Sie spart Rohstoffe, Energie und Emissionen und sichert dabei gleichzeitig Arbeitsplätze und Wohlstand. Die Basis der Studie liefert eine Modellierung des Umweltbundesamtes (UBA) und des Center of Economic Analysis and Research (CESAR) im Auftrag von KONTEXT. 

Empfohlene Maßnahmen

Die Ergebnisse zeigen klar, dass Kreislaufwirtschaft nicht nur Klima und Umwelt schont, sondern auch günstigere heimische Produktion ermöglicht, die Resilienz der Industrie stärkt und sie so zukunftsfit macht. Damit die modellierten Potenziale realisiert werden können, leitet die Studie konkrete politische Maßnahmen als notwendige Rahmenbedingungen ab: 

  • Priorisierung von Sanierung, Leerstandsnutzung und Nachverdichtung
  • Vorgaben für den Einsatz kreislauffähiger und biogener Baustoffe und deren Wiederverwendung
  • Langfristig gesicherte erneuerbare Energieversorgung
  • Leitmärkte für nachhaltigen Stahl 
  • Bereitstellung von hochwertigem Schrottangebot 

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2) Kreislaufwirtschaft als Pulsgeber für Österreichs Wettbewerbsfähigkeit

Bereits heute ist Österreich ein Pionier in der Kreislaufwirtschaft: Mit vielen Patenten im Recyclingbereich, vielen technologisch führenden Unternehmen und einer breiten industriellen Basis, die Innovation marktfähig machen kann. In Österreichs starker Ausgangslage beim Recycling steckt ein enormes Exportpotenzial, sowohl von Recyclingtechnologien als auch von Recyclingmaterialen. Die Studie zeigt anhand einer Modellierung wurde vom Umweltbundesamt (UBA) und dem Centre of Economic Scenario Analysis and Research (CESAR) im Auftrag von KONTEX: Mit einem gezielten Recyclingboost kann Österreich seine Wettbewerbsfähigkeit deutlich stärken. Das steigert nicht nur Wertschöpfung und Arbeitsplätze, sondern kurbelt auch Investitionen an. Die positiven Effekte entfalten sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette

Empfohlene Maßnahmen

Eine eigens für die Studie durchgeführte Umfrage unter führenden Kreislaufwirtschaftsunternehmen sowie Expert:inneninterviews zeigen, welche zusätzlichen Maßnahmen dafür notwendig sind: 

  • Abfallrecht grundlegend reformieren, um die rechtliche Gleichstellung von qualitätsgesicherten Sekundärmaterialien gegenüber Primärrohstoffen sicherzustellen  
  • Mindestanteil an Recyclingmaterial verankern, um verlässliche Nachfrage nach Sekundärrohstoffen zu schaffen und Leitmärkte für zirkuläre Produkte aufzubauen.  
  • CO₂-Bepreisung weiterführen, um Kostenunterschiede zwischen Primär- und Sekundärrohstoffen zu verringern und faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. 

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3) Kritische Rohstoffe: Von Abhängigkeit zu Sicherheit 

Die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen birgt enorme Risiken. Engpässe in den Lieferketten gefährden die Versorgung und damit die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft. Das ergibt die Studie des KONTEXT Instituts und des Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII). Sie zeigt auch: Den besten Weg, um uns aus dieser Abhängigkeit zu befreien, politisch nicht erpressbar zu werden und unsere Wettbewerbsfähigkeit abzusichern, bieten Maßnahmen der Kreislaufwirtschaft.

Empfohlene Maßnahmen

Die Studie identifiziert fünf zentrale Strategien mit sehr hohem Potenzial, um die Abhängigkeit bei kritischen Rohstoffen zu reduzieren und Versorgungssicherheit zu schaffen:

  • Reduktion der Nachfrage nach Endprodukten (z. B. Energieeffizienzmaßnahmen, Carsharing, Ausbau öffentlicher Verkehrsmittel)
  • Steigerung der Materialeffizienz (z. B. durch Leichtbau und Miniaturisierung in der stark betroffenen Automobil- und Stahlindustrie oder verbindliche Ökodesign-Standards)
  • Erhöhung der Produktlanglebigkeit (z. B. durch Right-to-Repair, modulare Bauweisen oder Leihmodelle)
  • Wiederverwendung von Produkten und Komponenten (z. B. Zweitnutzung von EV-Batterien oder modulare Stahlkonstruktionen) 
  • Recycling (z. B. Batterien, Elektronikschrott, Bauabfälle, seltene Erden aus Permanentmagneten) 

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Fazit 

Auch wenn sich die Ergebnisse der Studien großteils auf österreichische Daten stützen, lassen sich ihre Schlussfolgerungen direkt auf alle EU-Mitgliedstaaten übertragen, die mit denselben strukturellen Herausforderungen konfrontiert sind. Die Studien zeigen deutlich, dass die Kreislaufwirtschaft nicht nur den Treibhausgas-Ausstoß reduziert und die Ressourceneffizienz fördert, sondern erhebliche Chancen für die Stärkung der Widerstandsfähigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit Europas eröffnet. 

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