Rückblick: Europäische Souveränität im Zeichen von Resilienz
Was braucht Europa, um handlungsfähig zu bleiben – politisch, wirtschaftlich, infrastrukturell? Mit dieser Frage luden wir gemeinsam mit der Stadt Wien und der ÖBB-Infrastruktur AG ins Filmquartier Wien: Dort kamen Vertreter:innen aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wissenschaft darüber ins Gespräch, wie Kreislaufwirtschaft und Demokratie-Strategien langfristige Sicherheit schaffen können.

Die Demokratiestrategie und der Klimafahrplan der Stadt Wien, die Studien des KONTEXT Instituts zu Kreislaufwirtschaft & Souveränität sowie die gelebte Praxis der ÖBB bei der Sicherung ihrer kritischen Infrastruktur zeigten, wie Abhängigkeiten wirksam reduziert und die geopolitische Resilienz Europas gestärkt werden können.
Ein zentraler Gedanke des Abends: Resilienz kann zu einem Friedensprojekt werden, wenn wir sie als Kooperation verstehen statt als Abschottung.
Drei Perspektiven auf Souveränität: Rohstoffe, Infrastruktur, Demokratie
KONTEXT-Vorständin Tina Deutsch eröffnete den Abend mit Charles Dickens: „Es ist die beste und die schlechteste aller Zeiten“. Anschließend richtete sie den Blick auf das Materielle: Rohstoffsouveränität und Kreislaufwirtschaft als Weg, Abhängigkeiten in globalen Lieferketten zu verringern.
Judith Engel, Vorständin der ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft, führte vom ganz Konkreten ins Breitere. Kritische Infrastruktur sei ein zentraler Baustein der Mobilitätswende und zugleich eine Frage der Sicherheit, mit Energie als wichtigstem Rohstoff der ÖBB.
Klima- und Demokratiestadtrat Jürgen Czernohorszky spannte den Bogen zum größeren Ganzen. Er beschrieb eine starke Demokratie als Basis für ein selbstbewusstes, souveränes Europa, das auf Interdependenz statt auf Abgrenzung setzt.
Wie Resilienz zu einem Friedensprojekt werden kann

Sophia Stanger vom Austrian Center for Peace stellte in ihrer Keynote "Wie Resilienz zu einem Friedensprojekt werden kann" die Frage, ob unsere Resilienz in Europa auf Kosten der Resilienz anderswo gehen darf. Ausgangspunkt war eine Reise zu den Goldminen in Ghana. Sie unterschied zwei Richtungen: eine Resilienz der Abschottung, die Mauern baut und den Status quo verteidigt, und eine Resilienz der Kooperation, die Verbindungen und neue Allianzen schafft. Lieferketten können so zu Beziehungsketten werden und Resilienz zu einem Friedensprojekt. Dafür braucht es, so Stanger, eine „kritische Hefe“: wenige, gut vernetzte Menschen, die vieles in Bewegung bringen können. Die Keynote finden Sie unter den Weiterführenden Links unten zum Nachlesen.
Austausch in ungewohntem Setting
Im anschließenden interaktiven Format lud Claudine Nierth von Mehr Demokratie in einem verbindenden Setting zum vertieften Austausch zum Thema im Rahmen von „Sprechen & Zuhören“ ein.

Gedanken zum Mitnehmen
Zum Abschluss hielt Tina Deutsch fest: Der Abend hat gezeigt, dass wir selbst mitentscheiden, welche Zeit es wird. Drei Gedanken gab sie den Gästen mit:
- Ökologisierung ist Souveränität. Wer seine Energie selbst erzeugt, Rohstoffe im Kreislauf hält und saubere Technologien selbst entwickelt, macht sich unabhängig von geopolitischen Entscheidungen anderswo. Dann sind die Tiroler Bäckerei oder die Fabrik im Südburgenland kein Spielball der Geopolitik mehr.
- Souveränität ist eine wirtschaftliche Chance. Kreislaufwirtschaft kann zum Pulsgeber für Österreichs Wettbewerbsfähigkeit werden. Die Voraussetzung dafür sind eine starke, sichere Infrastruktur und Städte, die vorangehen.
- Souveränität braucht Demokratie und Vertrauen. Sie entsteht nicht nur in Kraftwerken und Recyclinganlagen, sondern auch dort, wo Menschen einander wirklich zuhören, gerade wenn sie unterschiedlicher Meinung sind.
Fotos (c) Martina Draper
Vielen Dank an Judith Engel, Jürgen Czernohorszky, Sophia Stanger und Claudine Nierth für ihre Impulse und ihre Offenheit, an alle Gäste fürs Mitdenken – sowie an die Stadt Wien und die ÖBB-Infrastruktur AG, die diesen Abend in Zusammenarbeit mit uns ermöglicht haben.


























