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Pressemitteilung

Wie der Speicherboom gelingt: Mehr Speicher, richtig platziert, richtig getaktet

Mittwoch, 14.10.2026

Das KONTEXT Institut zeigt in einer neuen Analyse, welche fünf Weichen nun gestellt werden müssen, damit Österreich unabhängiger und der Strom leistbarer und sauberer wird.

Heute gibt es in Österreich rund ein Gigawatt Batterieleistung, bis 2030 sollen es laut Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz fünf Gigawatt sein. Mehr Speicher sind eine Grundvoraussetzung für ein resilientes Energiesystem. Wenn diese dann auch zur richtigen Zeit am richtigen Ort eingesetzt werden, entlasten sie die Netze und machen günstigen Strom aus Erneuerbaren rund um die Uhr verfügbar. 

Die neue Netzentgelt-Verordnung der E-Control (SNE-G-V) belohnt Speicher, wenn sie das Netz entlasten. Die Bedingungen dafür sind aber so eng, dass fraglich ist, ob sie den Speicherboom wirklich fördert. Außerdem fehlt eine treffsichere Abstufung: Je mehr ein Speicher das Netz entlastet, desto weniger sollte er zahlen. Neben gestaffelten Netzgebühren erfordert der Speicherboom jedenfalls weitere Weichenstellungen, wie digitale Netze, flexiblere Märkte, gezieltere Förderungen und E-Autos, die als Speicher genutzt werden können. Eine neue Analyse der KONTEXT Instituts zeigt, was nun notwendig sind.

„Speicher sind der Schlüsselbaustein für ein sicheres, sauberes und leistbares Energiesystem. Nur durch sie können Erneuerbare das ganze System tragen. Dafür muss der Speicherausbau aber sowohl schneller als auch gezielter vorangehen“, sagt Katharina Rogenhofer, Vorständin des KONTEXT Instituts.

Billiger Mittagsstrom, teure Engpässe

2025 lag der Börsenpreis in Österreich in rund 380 Stunden unter null, das heißt es gab mehr Strom im Netz als gebraucht wurde. Solarstrom kostete 2026 im Jahresmittel nur noch rund 60 Prozent des mittleren Börsenpreises, zwei Jahre davor waren es 87 Prozent. Gleichzeitig zahlen alle Stromkund:innen jährlich bis zu 100 Millionen Euro für Engpassmanagement, also dafür, dass bei überlasteten Leitungen zusätzliche Kraftwerke, meist Gaskraftwerke, einspringen. Speicher können beides entschärfen. Sie verschieben günstigen Mittagsstrom in den Abend und entlasten am richtigen Ort überlastete Leitungen.

So geht Speicherboom

Damit der Speicherausbau sein volles Potenzial entfaltet, sind fünf Schritte notwendig:

  1. Verteilernetze digitalisieren: Im Frühjahr 2026 waren bei den Wiener Netzen knapp vier Prozent der Trafostationen digital angebunden, bei Vorarlberg Netz rund sieben Prozent. Ohne Messdaten rechnen Netzbetreiber mit dem ungünstigsten Fall und lehnen Anschlüsse ab, die das Netz tragen könnte. Echtzeitdaten müssen Pflicht werden, Sensorik und Software ähnlich vergütet wie neue Leitungen. 
  2. Flexibilitätsmärkte stärken und auf lokale Netze ausweiten: Engpassmanagement läuft heute über Einzelverträge, vor allem mit Gaskraftwerken, und ohne Wettbewerb. Der neue Flexibilitätsmarkt muss Batteriespeichern ein tragfähiges Geschäftsmodell bieten und zügig auch auf lokale Verteilernetze ausgeweitet werden. 
  3. Netzentgelte fair gestalten: Je stärker ein Speicher das Netz entlastet, desto niedriger sollte sein Netzentgelt sein. Eine Staffelung nach Standort und Netzauslastung steuert wirksamer als eine pauschale Befreiung. Ihre Höhe muss sicherstellen, dass sich der Speicherausbau weiter rechnet. 
  4. Anreize für Speicher bei PV-Anlagen schaffen: Weil die Ökostrom-Abwicklungsstelle (OeMAG) PV-Strom zum Monatsdurchschnitt abnimmt, ist es egal, wann man einspeist. Dadurch lohnt sich Speichern nicht. Eine Abnahme zum Stundenpreis würde das ändern. Förderungen für Heimspeicher sollten auch für Nachrüstungen offenstehen und Energiemanagementsystem geknüpft sein, das das Laden in netzdienliche Zeiten verschiebt.
  5. Elektroautos als Speicher nutzbar machen: Die 303.000 E-Autos in Österreich fassen zusammen rund 20 Gigawattstunden, ein Vielfaches der stationären Speicher. Wer sein E-Auto netzdienlich laden und entladen lässt, soll davon profitieren. Dafür braucht es klare Regeln und einheitliche Standards für Ladesysteme.

„Mit diesen Schritten wird aus dem Speicherboom ein Gewinn für das ganze System. Österreich wird unabhängiger, Strom wird leistbarer und das Netz wird stabiler. Wer die Weichen jetzt richtig stellt, sichert sich einen Vorsprung in einem europaweit wachsenden Markt und kann das volle Potenzial der Speicher nutzen“, so Rogenhofer.